Körper

Osteoporose

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Systemische Risiken für Zahnimplantate im Vorfeld evaluieren

Rauchen gefährlicher als Osteoporose

Systemische Grunderkrankungen, Medikamente und Noxen können den Kieferknochen und damit auch Zahnimplantate in Mitleidenschaft ziehen. So gesehen sind verschiedene involvierte Fachdisziplinen am Implantationserfolg beteiligt. Mangelt es dem Kieferknochen an Substanz, helfen Augmentationstechniken weiter.

Wenngleich eine primäre Osteoporose auch am Kieferknochen nicht spurlos vorbei geht, besteht inzwischen Konsens, wonach sie nicht mit einem signifikant erhöhten Implantatverlust assoziiert ist, stellte Dr. med Dr. med dent. Ulrike Kuchler, assoziierte Professorin der Universitätszahnklinik Wien, bei einer Veranstaltung im Rahmen des Kongresses Osteologie 2023 in Salzburg klar. Sie verwies dazu unter anderem auf entsprechende Ergebnisse eine Metaanalyse, die 15 Studien mit fast 9.000 Patienten und 30.000 Implantaten überblickt. Allerdings müsse durchaus eine geringere Primärstabilität von Zahnimplantaten bei osteoporotischen Patient*innen in Erwägung gezogen werden, der mit einer verlängerten belastungsfreien Einheilungsphase zu begegnen ist.

Auch eine antiosteoporotische Therapie mit Bisphosphonaten sei, so Kuchler, nicht mit einer signifikanten Zunahme von Implantatverlusten assoziiert. Eine Antiresorptivaassoziierte Kiefernekrose als seltene aber ernste Komplikation müsse dennoch stets im Auge behalten werden. In der späteren Diskussion wurde ausdrücklich davor gewarnt, dass Zahnärzt*innen antiosteoporotische Medikamente ohne Absprache mit dem verordnenden Kolleg*innen absetzen. Bislang mangele es hier leider immer noch zu oft an interdisziplinärer Kommunikation.

Bei Diabetikern macht die Einstellung den Unterschied

Das Geburtsdatum ist ebenfalls kein Grund mehr, Patienten dentale Implantate vorzuenthalten, so Kuchler weiter. Eigene und fremde Analysen hätten gezeigt, dass höheres Alter kein unabhängiger Risikofaktor für Implantatverlust ist.

Während eine schlecht eingestellte Zuckerstoffwechselstörung die Implantatstabilität gefährdet und eine erhöhte Verlustrate bedingt, ist dies bei gut eingestellten Diabetiker*innen nicht der Fall, betonte Kuchler. Allerdings benötigen Diabetiker*innen oft eine längere belastungsfreie Einheilzeit und sollten deshalb nicht für eine sofortige Kronenversorgung infrage kommen.

Eine unzureichend behandelte Hyperlipidämie beeinflusst Knochenstoffwechsel sowie Knochenregeneration negativ und ist ein bekannter Risikofaktor für einen Implantatverlust. Bedeutsamer ist jedoch das Rauchen. In der Schweiz seien mehr als 10 Zigaretten am Tag Kontraindikation für eine Implantatversorgung. So rigoros sei man in ihrem Land nicht, sagte Kuchler. Wünschen Raucher*innen ein Implantat, müssen sie jedoch auf das statistisch deutlich erhöhte Implantatverlustrisiko sowohl in der Einheilphase als auch im Langzeitergebnis hingewiesen werden.

Als Beispiele für Medikamente, deren längerfristige Einnahme mit einer erhöhten Rate an Implantatverlusten einhergeht, nannte Kuchler Serotoninwiederaufnahmehemmer und Protonenpumpenhemmer.

Augmentationsstrategien für kleinere und größere Defekte

Unabhängig von vorgenannten Risikofaktoren setzen stabile dentale Implantate ausreichende Kieferknochensubstanz voraus. Ist diese aufgrund von atrophischen Prozessen nicht mehr gegeben, verschaffen situationsgerechte Augmentationstechniken Abhilfe, erklärte in seinem Beitrag Professor Dr. med. Dr. med. dent. Norbert Jakse von der Grazer Universitätsklinik für Zahnmedizin und Mundgesundheit. Bei noch kleinen Substanzdefiziten leistet die gesteuerte Knochenregeneration mit Knochengranulat bewährte Dienste. Dabei wird unter Einsatz einer Barrieremembran eine Bruchspaltheilung simuliert und stimuliert. Die Membran fixiert das zumeist xenogene Knochengranulat, das als osteokonduktiver Platzhalter allmählich durch eigenes Knochengewebe ersetzt wird, am zu regenerierenden Knochen. Gleichzeitig verhindert die Membran, dass schnell wucherndes Bindegewebe statt nur langsam proliferierendes Knochengewebe einwächst.

Ist die Kieferkammatrophie für die vorgenannte Augmentationstechnik schon zu weit fortgeschritten, bietet sich eine Blockaugmentation an. Dabei werden passend gemachte Knochenblöcke mit Osteosyntheseschrauben am zu regenerierenden Knochen fixiert, um mit diesem zu verwachsen. Goldstandard sind bislang autogene Knochenblöcke, die vorzugsweise enoral aus dem Kieferwinkel oder Kinnbereich entnommen werden. Inzwischen seltener gebrauchte extraorale Entnahmestellen sind Beckenkamm, Schlüsselbein und Tibiakopf.

Die Entwicklung wird zunehmend in Richtung allogener, xenogener und auch alloplastischer Augmentationsblöcke gehen, prognostizierte Jakse. Argumente dafür sind, den Patient*innen das Entnahmetrauma zu ersparen sowie eine bessere präoperative Vorbereitung inklusive CAD-gestützer optimierter Anpassung der Blöcke. Zudem werde wohl zunehmend die Möglichkeit genutzt werden, Augmentationsmaterialien mit osteoinduktiven Wachstumsfaktoren anzureichern.

Quelle: mdm-MedienDiensteMedizin-Verlags GmbH

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