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Rheumatologie

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Rheumatische Erkrankungen im Alter und ihre Herausforderungen in der Diagnostik

Bei einem Symposium im Rahmen des 51. Deutschen Rheumatologiekongresses in Leipzig ging es um die Herausforderungen in der Diagnostik von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im Alter.

Das Verschleppen von Krankheiten ist ein leider immer häufiger auftretendes Phänomen. Die Ärztin bzw. der Arzt wird meist erst aufgesucht, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten oder unumkehrbar ist. Die Verschleppung erschwert häufig die Erstellung einer korrekten Diagnose, vor allem bei rheumatischen Erkrankungen. Um die Krankheiten zu diagnostizieren, solle man, so Dr. med. Björn Bühring, Facharzt für Rheumatologie am Wuppertaler Krankenhaus St. Josef, die breitere Differenzialdiagnose sowie „manchmal nicht-klassischen“ Symptome von rheumatologischen Erkrankungen im Alter beachten. Zudem werde empfohlen, die Faktoren kennenzulernen, die die Anamnese und Untersuchung einschränken können, sowie das chronologische und biologische Alter der Patient*innen mit einzubeziehen.

In seinem Vortrag wollte Bühring vor allem vermitteln, dass die Diagnosestellung im Alter wesentlich schwieriger ist als bei jungen Erwachsenen. Dazu zeigte der Vortragende ein Fallbeispiel, dass gemeinsam mit dem Publikum durch Interaktionen gelöst wurde. Er machte darauf aufmerksam, dass die Fachärzt*innen im Publikum womöglich im Kopf das sog. Fagan-Nomogramm durchgingen, das zwischen Vor-Test-Wahrscheinlichkeit, Risiko und Nach-Test-Wahrscheinlichkeit unterscheidet. Dieses könne jedoch in den wenigsten Fällen bei älteren Patient*innen zur Diagnose angewandt werden, da die Fehlerquote zu hoch sei. Meist helfe der Erfahrungsschatz bei der Unterscheidung verschiedener Arthrose-Möglichkeiten, jedoch helfen bildgebende Methoden am meisten weiter. Bühring empfahl ausdrücklich den Ultraschall bei Untersuchungen mit einzubeziehen, da durch diese Methode nahezu zweifelsfrei sogar zwischen verschiedenen Arten von Gelenkerkrankungen unterschieden werden könne. Die Vorgehensweise bei der Diagnosestellung beschrieb er am Beispiel der Polyarthritis. Andere bildgebende Verfahren, wie das MRT, zeigten häufiger falsch-positive Befunden bei älteren Patient*innen. [1]

Aber nicht nur die MRT-Ergebnisse von älteren Patient*innen seien schwieriger zu interpretieren, sondern auch die Laborwerte zeigten eine erhöhte Variabilität; dabei vor allem die des Rheumafaktorspiegels. Die rheumatoide Arthritis habe zudem andere Manifestationen im höheren Lebensalter als in jungen Jahren, weshalb zwischen der „Elderly Onset Rheumatoid Arthritis (EORA)“ und der „Young Onset Rheumatoid Arthritis (YORA)“ unterschieden werde. Auffällig dabei seien erhöhte Entzündungswerte und niedrige Antikörperwerte bei der EORA. Im Vergleich sei die PMR eine primär extrakapsuläre, weniger artikuläre Entzündung, wohingegen die RA eine Gelenk-orientierte Entzündung sei. [2] In Wuppertal habe sich die Radiologie mit dem MRT der Beckenregion bei Patient*innen befasst; dort sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass PMR-Bilder deutlich erhöhte Entzündungen in Sehnennähe zeige, wobei man bei der RA auftretende Entzündungen an den Gelenken vermehrt beobachten könne. Dies helfe vor allem bei Differenzialdiagnosen, wenn die Diagnose schwerfalle.

Im letzten Teil des Vortrags wurden anamnestische Herausforderungen aufgeführt, die im Klinikalltag eine wichtige Rolle spielen. Ernstzunehmende Auffälligkeiten bei den Ratsuchenden seien dabei ein geringes Hörvermögen, eventuelle Depressionen und eingeschränkte Kognition, weshalb Bühring empfahl, während des Gesprächs auf den „Clock-Draw-Test“ zurückzugreifen, um die Verfassung der Patient*innen besser verstehen und eine gute Beratung durchführen zu können. Zudem appellierte er, dass bei Nicht-Ansprechen auf mehrere Biologika das Krankheitsbild erneut von Grund auf zu untersuchen sei. Dabei helfe jedes zuvor erstellte Puzzleteil, und sei es noch so klein.

Zusammenfassend wurden die folgenden Merkmale im klinischen sowie biologischen Profil von EORA im Vergleich zu YORA-Patient*innen beschrieben: Bei EORA-Patient*innen trete im klinischen Profil ein akuteres Onset, häufigere systemische sowie PMR-ähnliche Symptome und ein häufiges proximales Gelenk-Involvement mit letztendlich schlechterem Ergebnis auf als bei YORA-Patient*innen. Das biologische Profil von EORA-Patient*innen weise zudem höhere IL-6 Level, niedrigere TNFα-Werte, weniger RF und einen höheren ESR-Wert als YORA Patient*innen auf. Diese Erkenntnisse sollen bei der Erstellung von Diagnosen bei schwierigen Fällen helfen, um eine adäquate Behandlung zu ermöglichen.

Quelle: mdm-MedienDiensteMedizin-Verlags GmbH

Literatur:  Bei mdm-MedienDiensteMedizin-Verlags GmbH

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