Haut

AkneHauterkrankungen

Anzeige

Akne inversa – ein blinder Fleck in der Dermatologie?

Durchschnittlich 12 Jahre dauert es, bis Patientinnen und Patienten mit der Krankheit Akne inversa diagnostiziert werden. Die chronische Autoimmunkrankheit ruft massiv entzündliche Hautveränderungen hervor. Auch in der Öffentlichkeit ist das unheilbare Krankheitsbild wenig bekannt. Betroffene, wie Simone S., erleben häufig einen Leidensweg aus Scham, Schmerz und ständigen Operationen, bis sie die richtige Diagnose und entsprechende Therapie erhalten. Entgegen vieler Vorurteile sind auch schwere Verläufe gut behandelbar und ermöglichen Betroffenen ein weitestgehend beschwerdefreies Leben. Dr. med. Thorsten Matthes ist Chefarzt der Dermatochirurgie des Zentrums für Venen- und Dermatochirurgie am Krankenhaus Tabea in Hamburg-Blankenese und behandelt dort jährlich bis zu 500 Patientinnen und Patienten innerhalb des Erkrankungsspektrums von Akne inversa.

Dr. med. Thorsten Matthes, Chefarzt der Dermatochirurgie des Zentrums für Venen- und Dermatochirurgie am Krankenhaus Tabea in Hamburg-Blankenese

Das Krankheitsbild Akne inversa, unter dem schon Karl Marx litt, verursacht chronische Entzündungen an der Haut, die mit starker Eiterbildung einhergehen. Vor allem sensible Körperstellen wie der Achsel- und Genitalbereich sind von der Erkrankung betroffen. Heute weiß man, dass die Ursachen in einem Defekt des angeborenen Immunsystems liegen und nicht etwa an mangelnder Hygiene: Die Haut der Erkrankten enthält deutlich weniger Abwehrstoffe als bei gesunden Menschen. Faktoren wie Rauchen und Übergewicht verschlechtern das Krankheitsbild zusätzlich. Die betroffenen Hautareale vieler Patientinnen und Patienten werden aufgrund von Fehldiagnosen immer wieder nur oberflächlich operiert und entlastet, oftmals mehrmals im Jahr. „Man muss sich die Erkrankung wie ein Maulwurfsystem unter der Haut vorstellen, in dem viele entzündliche Fistelgänge miteinander verbunden sind. Sofern dieses unterirdische Gangsystem nicht entfernt wird, ist die Krankheit damit nicht ausreichend behandelt. Das ist, wie wenn Sie einen Maulwurfshügel schließen bzw. entfernen, der Maulwurf dann aber an einer anderen Stelle wieder ausbricht“, verbildlicht Dr. Matthes die oft übersehene Problematik.

Beschwerden bis zur Resignation: Der Leidensweg von Simone S.

Bis zur korrekten Diagnose und entsprechenden Behandlung, war es ein langer Leidensweg für Simone S. Fotos: Krankenhaus Tabea

Eine Odyssee aus vielen vollnarkotisierten Operationen und Schamgefühlen liegt hinter Simone S. (28), Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte aus Schleswig-Holstein. Ab ihrem 21. Lebensjahr traten die ersten entzündeten Stellen in den Achselhöhlen auf, die sie zunächst zwar als störend, aber nicht behandlungsbedürftig einschätzte. Irgendwann wurden die Schmerzen so schlimm, dass sie sich von ihrem Arbeitsplatz direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses begab. Dort bekam sie die Diagnose, dass es sich um einen Abszess handele, der sofort operiert werden müsse. Doch bei der einen Operation blieb es nicht: Von 2014 bis 2016 wurde sie rund acht Mal operiert. „Kaum war die eine Stelle zugeheilt, ging es an der nächsten Stelle los. Mir blieb nichts als zu hoffen, dass diese OP nun die letzte war“, erzählt sie.

Erschöpft von den zahlreichen erfolglosen Eingriffen versuchte sie, die Beschwerden so hinzunehmen, ohne sich wieder in medizinische Behandlung zu begeben. Dies führte dazu, dass sich die unentdeckte Akne inversa stark verschlimmerte, bis Simone S. vier Jahre nach der letzten Operation wieder ihre Hautärztin aufsuchte. Diese überwies sie beim Blick auf die großflächig entzündeten Achseln direkt an das Zentrum für Venen- und Dermatochirurgie des Krankenhaus Tabea, wo Dr. Matthes Akne Inversa im dritten Stadium diagnostizierte mit anschließender Operation im Juni 2021.

Radikale Operation: Goldstandard und einzige kausale Behandlung

Bis zu 500 Patientinnen und Patienten mit Akne inversa oder Steißbeinfistel werden jährlich im Zentrum für Venen- und Dermatochirurgie im Krankenhaus Tabea behandelt. Die Erkrankung wird nach Hurley in drei Stadien eingeteilt. Ab Schweregrad 3 gilt die großflächige Operation mit Sicherheitsabstand** als einzig kausale Behandlung, um alle unterirdischen Entzündungsherde langfristig zu entfernen.

Bei Simone S. liegt die Wundgröße bei rund 12 x 6 Zentimeter, eine Woche musste sie nach dem Eingriff in der Klinik bleiben mit anschließen- der Heilungsphase von sechs bis acht Wochen. Die offene Wundheilung wird medikamentös mit einem Antibiotikum und Schmerzmitteln begleitet. Nach der Abheilung ist die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls sehr gering, jedoch nicht ausgeschlossen: „Es gibt immer die Möglichkeit für Rezidive, da wir die Genetik nicht wegoperieren können. Das hängt auch maßgeblich vom Verhalten der Patientinnen und Patienten ab: Wer beispielsweise nicht aufhört zu rauchen, erhöht die Wahrscheinlichkeit neuer Entzündungsherde“, warnt Dr. Matthes. Die gute Nachricht für Simone S. ist, dass Rezidive eher im unteren Körperbereich auftreten, unter den Achseln jedoch nur sehr selten.

Hoffnung für die Zukunft: Mehr flächendeckende Aufklärung über Akne inversa

Schwere Verläufe und entsprechend großflächige Operationen wie bei Simone S. könnten vermieden werden, wenn Betroffene sich früher in fachkundige Behandlung begeben würden. Mehr Aufklärung wünscht sich auch Dr. Matthes: „Das Krankheitsbild muss mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung, aber auch der Ärzteschaft gelangen. Selbst ausgeprägte Stadien lassen sich gut behandeln.“ Simone S. blickt seit der Operation voller Hoffnung in die Zukunft: „Ich wünsche mir, dass in der Öffentlichkeit, z.B. über Social Media, mehr über Akne inversa aufgeklärt wird und somit auch Vorurteile abgebaut werden können. Es ist eine Krankheit, an der man nicht schuld ist – und gegen die etwas unternommen werden kann.“

Quelle: DISKURS Dermatologie 06 | 2021

** Die Haut wurde über die betroffenen Stellen hinaus entfernt, um sicherzugehen, dass alle Fistelgänge entfernt wurden.

Artikel teilen

Artikel-Tags

Diese Artikel könnten dich ebenfalls interessieren

Anzeige
Bewusst und gesund leben: Die Lefay SPA Methode Klassische Chinesische Medizin mit wissenschaftlicher Forschung des Westens vereint

MÜNCHEN, 8. Februar 2024 (f/c) – Die meisten von uns sind sich bewusst, dass wir bewusster und sorgfältiger mit uns umgehen sollten. Damit wir gesünder und vielleicht auch länger leben. […]

Anzeige
MURAD – Die Pflege-Reihe für schnelle Ergebnisse, mit sanfter Pflege der Haut

zur Faltenreduzierung und Straffung: glättet und modelliert sichtbar Die Resurgence-Reihe von Murad ist eine hochentwickelte Linie von Hautpflegeprodukten, maßgeschneidert für die Anforderungen reiferer Haut. Sie basiert auf dem wissenschaftlichen Konzept […]

Anzeige
DOCTOR BABOR – The Cure Cream: Für die beste Version deiner Haut

Die DOCTOR BABOR The Cure Cream dient als der Allrounder für die Hautpflege. Täglich ist unsere Haut externen Einflüssen ausgesetzt. Sonnenlicht, Luftverschmutzung oder auch kleine Verletzungen der obersten Hautschicht können […]

Anzeige
Mit Leichtigkeit zur Darmspiegelung: 5 Profi-Tipps, wie man den Darm gut vorbereitet.

Die Darmspiegelung – ein unverzichtbares Instrument zur Darmkrebsvorsorge. Aber seien wir ehrlich, die Vorbereitung, besonders die Spüllösung, ist nicht gerade ein Highlight. Die oft ölige Konsistenz gibt es zwar mittlerweile […]

Anzeige
Sol de Janeiro: Jetzt mit SPF

Diesen Sommer strahlen wir mit der Sonne um die Wette, und schützen uns gleichzeitig! Die Neue Rio Radiance™ Sunscreen Collection von Sol de Janeiro punktet nicht nur mit dem bereits aus dem letzten […]

Anzeige
Japanese Skincare mit Hada Labo – für strahlend schöne Haut!

„Alles, was Ihre Haut braucht, und nichts, was sie nicht braucht“ – diesem Mantra folgt die japanische Hautpflegemarke Hada Labo, die sich auf hochwirksame Hautpflegeprodukte ohne Zusatzstoffe spezialisiert hat. Mit […]

Anzeige
naturschön von alverde NATURKOSMETIK

Pflege mit der Kraft aus der Natur Schon in der Antike waren Oliven dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe eines der wichtigsten Nahrungs- und Gesundheitsmittel. Das „grüne Gold“ war überall sehr gefragt […]

Anzeige
Innovative Pflege für empfindliche Haut

Die neue Hautpflege-Serie DermaCare MED | Sensitive von BIOMARIS bietet eine gezielte Lösung für empfindliche Haut – und überzeugt mit sichtbaren Ergebnissen. Immer mehr Menschen müssen sich den Herausforderungen empfindlicher […]

IQ Haut & Körper
in Kürze auch als Printausgabe